AM Sachsen: Giffey-Rüge durch FU Berlin ist rechtswidrig!

//AM Sachsen: Giffey-Rüge durch FU Berlin ist rechtswidrig!

AM Sachsen: Giffey-Rüge durch FU Berlin ist rechtswidrig!

Die AM Sachsen hat die Entscheidung der Freien Universität FU Berlin, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wegen der Mängel in ihrer Doktorarbeit zu rügen, aber nicht den Doktorgrad zu entziehen, als rechtswidrig kritisiert. Sowohl in der Promotionsordnung von 2008, die für die Doktorandin Giffey galt, noch in der aktuellen Fassung steht etwas von Sanktionen jenseits des Titelentzugs. Das Präsidium der FU hatte auf seinen Ermessensspielraum und auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2017 verwiesen, das als Maßstab unter anderem anführt, es müsse eine Arbeit noch als „eigene wissenschaftliche Leistung anzusehen“ sein. Bei Giffey stehe aber der „empirische Charakter“ im Vordergrund, obwohl das Präsidium einen Vorsatz teilweise bejahte.

Im Klartext: Etwas plagiieren ist erlaubt, solange die Arbeit noch neue Erkenntnisse enthält: Vroniplag Wiki hatte Giffey unsauberes Arbeiten in 119 Fällen auf 76 von 205 Seiten nachgewiesen. Damit bedeutet „Ermessen“ offenbar, dass man nun jede beliebige Sanktion erfinden kann. Das ist ein Unding und beschädigt zunächst den Rechtsstaat. Als Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gegen die Entscheidung der Uni Düsseldorf klagte, ihr den Doktorgrad zu entziehen, weil es eine Rüge doch auch getan hätte, entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf aber, „etwaige mildere Mittel, z.B. in Gestalt einer Rüge“ hätten nicht zur Wahl gestanden. Sie enthalte „weder die Promotionsordnung eine Ermächtigungsgrundlage hierzu, noch ist eine solche sonst ersichtlich“. Hinzu kommt, dass die FU schon in minderschweren Fällen den Doktorgrad aberkannte – der Verdacht eines Politiker- und/oder Promibonus liegt nahe, zumal die FU am rotrotgrünen Berliner Finanztopf hängt.

Die Entscheidung beschädigt erst recht die Wissenschaft. Zum einen ist ein Doktortitel einer Universität, die bei diesem Befund die Promotion nicht aberkennt, das Papier nicht wert, auf dem die Urkunde gedruckt ist. Zum zweiten hat Giffey ihre Betreuer düpiert, die Universität, die ihren wissenschaftlichen Rang jetzt schwerlich verteidigen kann, die plagiierten Autoren, die ihr zürnen, auch die Gymnasiallehrer, die ihren künftigen Studenten korrektes Arbeiten beibringen wollen, und natürlich alle, die ihre Titel redlich erworben haben. Zum dritten ist es methodologisch falsch, ja unwissenschaftlich, zwischen „guten“ Plagiaten im – damit implizit abgewerteten – Theorie- und „schlechten“ im Empirieteil zu unterscheiden.

Zum vierten lässt die Entscheidung die Versuchung wachsen, sowohl die Maßstäbe bei den wissenschaftlichen Standards abzusenken als auch die gängige Rechtsprechung kreativ auszulegen. Wenn man aber mit jedem noch krasseren Fall die Latte für einen Entzug immer höher legt, kann man irgendwann einen Grad nur noch entziehen, wenn hundert Prozent der Arbeit abgeschrieben sind. Aber offenbar in vorauseilender Absicht, weder ihre Doktoranden durch Titelentzug noch sich selbst wegen unzureichender Prüfung zu blamieren, haben Hochschulen inzwischen schon ihre Promotionsordnungen geändert. So behalten sich die Medizinische Fakultät der Uni Bonn und die Fakultät für Lebenswissenschaften an der TU Braunschweig inzwischen vor, dass im Fall einer Täuschung die „Bewertung der entsprechenden Promotionsleistung nachträglich geändert“ werden kann.

All das sind verheerende Signale für den weiter entwerteten Wissenschaftsstandort Deutschland. Der Doktortitel stand bislang für wissenschaftliche Gründlichkeit, akademische Reife, die Fähigkeit selbstständigen und akribischen Forschens, ja der allgemeinen Nivellierung unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Giffey erwies sich aber eben nicht als gründlich und selbständig, sondern als oberflächlich und mindestens akademisch unreif. Sollen wir uns aber künftig zumuten müssen, etwa über Brücken zu fahren, deren Statiker sich ihre schriftlichen Arbeiten während des Studiums zusammenkopiert haben? Die Aussagekraft eines akademischen Grads, wenn die Kompetenz dahinter eine vorgebliche, anderswo zusammengeklaute ist, tendiert dann gen Null; da kann man ihn auch gleich abschaffen.

Von |2019-11-27T19:31:20+00:00November 2nd, 2019|Allgemein|0 Kommentare

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